Falkenseer Chaussee

Nein, schön ist sie wirklich nicht. Aber wichtig. Als eine der Hauptverkehrsadern Spandaus verbindet die Falkenseer Chaussee vier- bis sechsspurig die Wohngebiete am Falkenhagener Feld und die westlich angrenzenden Gemeinden Brandenburgs mit dem Spandauer Stadtzentrum. Im weiteren Verlauf ist sie zudem Teil der Ost-West-Verbindung zwischen der Stadtautobahn A100 und dem äußeren Berliner Ring. Eine typische Ein- und Ausfallstraße also, mit entsprechendem Verkehrsaufkommen und den üblichen Begleiterscheinungen: Lärm, Hektik und Abgase. Kurzum: Kein Weg für friedliche Spaziergänge.

Falkenseer Chaussee, Höhe Remscheider Straße
Falkenseer Chaussee, Höhe Remscheider Straße

Wer die Falkenseer Chaussee dennoch entlang läuft, tut das in der Regel auch nicht aus Vergnügen, sondern weil er in der Gegend wohnt und Alltagswege zur Arbeit, zum Einkaufen oder sonstwohin zu verrichten hat. Alle zwei- bis dreihundert Meter befinden sich Haltestellen, und dank der hohen Taktfrequenz muss man tagsüber selten länger als vier, fünf Minuten warten, um von einem Metro-Bus der Linie M37 ins Stadtzentrum oder wieder zurück befördert zu werden.

Der Infrastruktur-Faktor ist also relativ hoch, der Erholungswert dagegen eher niedrig. Auch fotografisch findet sich nur wenig von dem, was man üblicherweise von einem Stadtrundgang erwartet. Und so würde wohl niemand auf die Idee kommen, Spandau-Besucher auf einen Spaziergang durch die Falkenseer Chaussee zu schicken, wenn sie nicht gerade Soziologen, Verkehrs- oder Städteplaner sind.

Falkenseer Chaussee, Ecke Siegener Straße
Falkenseer Chaussee, Ecke Siegener Straße

Ich bin zwar weder das eine noch das andere, aber dennoch interessiere ich mich auch für solche Aspekte meines regionalen Umfeldes. Deshalb bin vor einiger Zeit schon mal auf der nördlichen Seite der Falkenseer Chaussee stadteinwärts gelaufen.

Letzte Woche war ich nachmittags wieder zu einem privaten Besuch in der Wasserwerkstraße. Und da sich das Wetter von einer seiner besseren Seiten zeigte, habe ich die Gelegenheit des Rückweges zu einem erneuten Spaziergang über die Falkenseer Chaussee genutzt. Diesmal auf der anderen, der südlichen Straßenseite.

Wohnhäuser Wasserwerkstraße
Startpunkt: Wasserwerkstraße

Wie gesagt: Schön ist sie nicht. Aber bei näherer Betrachtung weniger schrecklich als es bei der Durchfahrt auf dem Weg von A nach B den Anschein hat. Es gibt doch relativ Grün rechts und links, die meisten Wohnblöcke sind etwas zurück gesetzt. Gut, die Bewohner der ersten Reihe mit Südbalkon zur Straße müssen mit der Geräuschkulisse leben. Geht man aber nur ein paar Schritte zwischen den Gebäuden hindurch in die Wohnbebauung das Falkenhagener Feldes, so wird man von einer fast idyllische Ruhe überrascht. Noch dichteres, über Jahrzehnte gewachsenes Grün, Wege, Anlagen und Spielplätze vermitteln die typische Atmosphäre einer über Jahrzehnte gewachsenen Wohnsiedlung. Zwei Frauen mit Kinderwagen, eine ältere Dame, die gemächlich ihren Rollator vor sich herschiebt, ein paar spielende Kinder – von Lärm und Hektik keine Spur. Es gibt schlimmere Orte.

Aber zurück zur Falkenseer Chaussee. Neben besagten Wohnblöcken aus den 1960er bis ´90er Jahren gibt es auch Gebiete mit kleineren Siedlungshäusern älteren Datums, wie beispielsweise das „Westfälische Viertel“. Ich nenne es – das bin ich meiner Heimat schuldig – „Ruhrpott-Viertel“, weil einige der Städte, nach denen die Straßen dort benannt sind, wie Mülheim, Gelsenkirchen oder Oberhausen, eben auch im Ruhrgebiet liegen. Aber das nur nebenbei.

Mülheimer Straße (April 2014)
Mülheimer Straße (April 2014)

Bald kam ich an die Kreuzung Zeppelinstraße, an deren vier Ecken markante Türmchen stehen. Sie sind Teil einer expressionistisch anmutenden Wohnanlage aus den 1920er Jahren. Hier endet das Falkenhagener Feld, nicht jedoch mein Spaziergang. Ich folgte weiter der Falkenseer Chaussee. Bevor sie jedoch auf dem letzten Stück in den Falkenseer Damm übergeht, bog ich rechts in den Hohenzollernring und ging um das Helmut-Schleusener-Stadion herum durch den Borchertweg zum Askanierring und kaufte bei dem dort befindlichen Supermarkt ein paar Kleinigkeiten ein. Dann ging’s weiter über die Flankenschanze zur katholischen Kirche „Maria, Hilfe der Christen“ und durch die Galenstraße wieder zum Falkenseer Platz, dem eigentlichen Endpunkt des Spaziergangs durch die „Falkenseer“.

Kreisverkehr am Falkenseer Platz
Kreisverkehr am Falkenseer Platz

Rund anderthalb Stunden hat er alles in allem gedauert. Ohne Umwege und Aufenthalte kann man die Strecke zügigen Schrittes sicher auch in 30 bis 40 Minuten schaffen. Aber wer es eilig hat, der nimmt besser gleich den Bus.

Hier noch die restlichen Bilder. Ich habe den aktuellen übrigens auch noch zwei  Aufnahmen meiner letzten Tour im April hinzugefügt und entsprechend gekennzeichnet.